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Wo Worte nicht hinreichen: Über den Körper die Seele berühren

Wenn Menschen denken, fühlen und handeln, tun sie dies nicht als körperlose Gespenster. Doch wenigen ist bewusst, wie der Körper unseren Seelenzustand beeinflusst und wie stark das psychische Erleben das Körpergefühl steuert. Körper und Seele sind eine untrennbare Einheit. Der Körper ist sowohl Mitgestalter als auch Bühne von psychischen Prozessen.

In der Körperpsychotherapie dient der Körper als Zugang zum »inneren Selbst« und als »Werkzeug« zur Anregung bzw. Stabilisierung der eigenen Selbstheilungskräfte. Eindrucksvolle Erkenntnisse der Körperpsychotherapie zeigen, dass sich gerade durch die Arbeit mit dem Körper belastende Lebensmuster verändern können.

Im Unterschied zu ausschließlich verbal ausgerichteten Therapien wird der Zugang zum seelischen Geschehen nicht nur über Worte, sondern auch über die Wahrnehmung der Empfindungen, Signale und Impulse des Körpers gesucht. Atem, Bewegungsimpulse, die Wechselwirkung von Spannung und Entspannung und der (körperliche) Umgang mit Stress finden in der Arbeit Beachtung. Damit Therapie wirksam ist, braucht es mehr als nüchterne, intellektuelle Deutungen des Therapeuten. Schon Freud wusste: »Nur was den Klienten berührt, entfaltet seine Wirksamkeit.«
Als Körperpsychotherapeutin frage ich z.B. nach den tieferen Ursachen von muskulären Verspannungen: Sind sie darauf zurück zu führen, dass einem Menschen die Angst im Nacken sitzt oder weil er eine tiefe Wut zurück hält? Auch das Verdrängen unerlaubter Gedanken, Wünsche, Handlungsimpulse und Gefühle geht mit körperlicher Anspannung einher. Wir lernen, Tränen zurück zu halten, den Atem anzuhalten, uns zu ducken, die Lippen aufeinander zu pressen, wenn wir unsere Angst, Wut, Enttäuschung oder Trauer nicht zum Ausdruck bringen dürfen. Besonders frühe Erfahrungen prägen sich nicht nur in Gedanken und Verhaltensmuster ein, sondern verkörpern sich im gesamten Organismus – in einem Körpergedächtnis. Sie finden Ausdruck in der persönlichen Lebenshaltung.

Wenn Emotionen unterbunden werden, damit sie uns nicht länger quälen, bleibt die Lebenslust auf der Strecke, denn es braucht eine Menge Energie, um die festgehaltenen Affekte unter Kontrolle zu halten: Du spürst deinen Ärger nicht mehr und die vielen Enttäuschungen und Verletzungen, aber auch nicht, worauf du Lust hast, was deine Interessen sind und was dir Spaß macht. Das Leben wird fade. Du fühlst dich wie vom Leben abgeschnitten.

Manchmal wird der Körper dann rebellisch und bringt durch Krankheit zum Ausdruck, was anders zu zeigen ihm versagt bleibt: Er funktioniert nicht mehr richtig, zieht durch Schmerz oder andere Symptome die Aufmerksamkeit auf sich oder verschafft sich durch Beschwerden die nötige Pause.
Viele Menschen bekommen die subtilen Signale des eigenen Körpers gar nicht mit. Sie nehmen nicht (mehr) wahr, was ihnen fehlt, was ihnen gut tut, was sie bedrückt oder was sie sich wüschen. In der Körpertherapie geht es darum, den Kontakt zu unserer Gefühlswelt und unserem Körper wieder herzustellen. Wer es vermag, die Sensibilität für die Botschaften der körperlichen Empfindungen zu stärken und sie zu lesen, versteht sich selbst besser und kann rechtzeitig auf einschränkende oder krankmachende Lebensumstände reagieren. Dann können wir Grenzen setzen, wo es notwendig ist, oder Kontakt suchen mit den Menschen, die uns gut tun.
Die Körperpsychotherapie integriert Elemente aus Psychoanalyse, Gesprächs- und Gestalttherapie und der systemischen Therapie. Entscheidungsgrundlage für die Auswahl der jeweiligen Methode bilden die Persönlichkeit des Klienten, seine Lebenssituation sowie körperliche und psychische Symptomatik. Es geht darum, Fühlen, Denken und Handeln in Einklang zu bringen und die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Das Schöne ist, dass dieser Prozess ein kleines Abenteuer ist und durchaus Spaß machen kann!

Körperorientierte Methoden sind zum Beispiel: